07.06.2016

Tag 2: Schwäbische Alb

Saatgut-Karawane 2016

 

Von Standortsorten und 20 Zentimeter Ackerkrume

 

Der Morgen begann mit Melkmaschine und Hahnengekrähe im schönen Schwabenländle.

Bauer Kampmann hat direkt im Garten hinter seinem Haus drei Reihchen Senf zum Schulen seines Auges; da muss ma halt „gugge“. Hier begegneten wir einem Züchter mit Herzblut, der selbst wenn die Frau am Abend ungeduldig wird, noch auf dem Acker steht und nach seinen Pflanzen guggt.

All seine Mühe hat sich gelohnt, denn er hat es geschafft, eine Sorte für die schwierigen Standortbedingungen, mit nur 20 cm Ackerkrume, zu züchten. Die Sorte vereint überdurchschnittliche Erträge mit einer guten Backqualität und wird in der Region von vielen Landwirt*innen dankbar verwendet.

 

Im Anschluss durften wir einen Bio-Landessortenversuch besichtigen. Dort haben PraktikerInnen die Möglichkeit, die Standorteignung vieler verschiedener Sorten zu vergleichen. Hier wurde deutlich, dass der züchterische Schwerpunkt bislang auf Getreide liegt. Andere Ackerkulturen wie Körnerleguminosen haben dagegen noch deutlichen Nachholbedarf.

 

Quecke 81 und Linsen* mit Spätzle

 

Einst war die Linse im Schwabenländle eine weit verbreitete Kulturfrucht. In den 1960ern starb diese jedoch fast aus. Engagierte Schwaben haben die Alblinse wieder aus einer Genbank in Russland zurück gebracht und den einheimischen Anbau wiederbelebt. 80 Bäuer*innen haben sich zu einer Erzeugergemeinschaft zusammengeschlossen. „Vertrauen statt Misstrauen ist unser Erfolgsrezept.“, erzählt uns ein engagiertes Mitglied. So stärken sie mit „absichtsloser Menschenfreundlichkeit“ regionale Wirtschaftskreisläufe. Eines ihrer aktuellen Projekte ist das Genbänkle. Hierbei geht es darum, alte, regionale und oft wirtschaftlich nicht konkurrenzfähige Sorten in einem Netzwerk von privaten Kleingärten lebendig zu halten. Jede*r kann mitmachen.

 

Bei einer anschließenden Tour über die Äcker lädt uns der Bauer zu einem Perspektivenwechsel ein: Auch wenn die Quecke in zu großer Zahl die Ackerkultur beeinträchtigen kann, ist sie dennoch wertvoll. Ein Forschungsprojekt hat ergeben, dass sich bis zu 81 Kleinstlebewesen auf die Quecke spezialisiert haben. Solche Nützlinge helfen, die Schädlinge der Kulturpflanzen in Schach zu halten.

 

Die Linse wird im Gemenge mit Stützfrüchten wie Leindotter und Nacktgerste angebaut. So tragen auch die Ackerkulturen zur Biodiversität bei.

 

Jetzt sitzen wir gemütlich am Feuer mit der rauschenden Lauter im Hintergrund. Die Eindrücke des Tages lassen wir bei Dreikornbier Revue passieren und freuen uns auf morgen.

 

*"Bohnen, Erbsen, Linsen, bringen's Ärschle zum Grinsen." (Zitat David)

 

 

Mehr Informationen auf der Saatgut-Karawane Website: seeds.junge-abl.de

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