09.06.2016

Tag 3: Oberschwaben

Saatgut-Karawane 2016

 

Vom Wildgras bis zum Brot

 

Der Tag heute begann idyllisch mit Sonnenschein im Biosphärenreservat Schwäbische Alb. Von dort aus machten wir uns auf den Weg zum Demeter-Hof Lehnhof am Bodensee, um deren Bäckerei zu besichtigen.

 

Das Konzept des Lehnhofs integriert auch betreuungsbedürftige Menschen. Insgesamt arbeiten 8 Betreute gemeinsam mit 3 Bäckermeistern in der Backstube und produzieren täglich 600 Brote.

 

Gebacken wird mit Hafer, Gerste, Dinkel, Weizen und Roggen. Gemahlen und gereinigt wird das Korn extern, Lagerung und Schrotung finden auf dem Hof statt. Neben der Qualität des Getreides hat auch das handwerkliche Können der Bäcker gehörigen Anteil an der Beliebtheit ihrer Brote: das ordentliche Kneten, die sorgfältige Teigführung und der genau richtig temperierte Ofen verleihen dem Brot seinen unwiderstehlichen Geschmack.

 

Danach trafen wir uns mit Udo Hennenkämper vom Keyserlingk-Institut, einem Züchtungs- und Forschungsinstitut in der Bodensee-Region. Er führte uns durch seinen Zuchtgarten des „Regionalsortenprojekts Bodensee“ und erklärte uns die Ziele und Methoden der Selektionszucht standortangepasster Weizen- und Roggensorten. Hier werden keine neuen Pflanzenlinien vom Züchter eingekreuzt, sondern die Pflanzen entwickeln sich auf natürliche Art und Weise durch Spontankreuzungen weiter.

 

Die Aufgabe des Züchters besteht darin, die besten Pflanzen auszulesen. Neben seinen selbstgezüchteten Sorten stellte er uns ein paar wahrlich illustre Persönlichkeiten aus Frankreich und Italien vor: eine Weizensorte französischen Ursprungs, Garant für fluffige Baguettes; außerdem den Hartweizen Senore „Senator Capelli“, Grundlage schmackhafter Pasta.

 

Nach der Mittagspause weihte uns der Institutsgründer Bertold Hayden in die Grundlagen der „Kulturpflanzenwerdung“ ein. Er präsentierte uns sein persönliches, mit Herzblut betriebenes Züchtungsprojekt, das Dasypyrum villosum. Das von der Krim und Sardinien stammende Wildgras hat bis heute als Kulturpflanze seine wahre Bedeutung noch nicht entfaltet. Ein Grund dafür ist unter anderem deren Fremdbefruchtung, die eine Züchtung erschwert.

 

Wildgräser zeigen jedoch eine besonders hohe Nahrungsqualität und können daher laut Bertold Hayden besonders in der biologisch-dynamischen Züchtungsweise eine große Rolle spielen. Die Finanzierung der unabhängigen Forschung tragen der auf den Handel abgeschlagene Züchtungscent und Gelder von Stiftungen, auf Nachbargebühren verzichten sie bewusst. Ihre Versuchsflächen stammen von Vertragsbauern aus der Region.

 

Zum Abschluss des Abends wurden wir herzlich auf dem Hagenweiler Hof aufgenommen. Dort ließen wir den Abend gemütlich gemeinsam mit der Familie bei Wein, Käse, Kerzenschein und guten Gesprächen ausklingen.

 

Mehr Informationen auf der Saatgut-Karawane Website: seeds.junge-abl.de

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