09.06.2016

Tag 4: Bodensee

Saatgut-Karawane 2016

 

Bauer Müller: Mit Sonnenblumentreibstoff zur Autarkie

 

Heute Morgen wachten wir gebettet auf weichem Stroh, mit dem einen oder anderen pieksigen Strohhalm im Schlafsack, auf dem Hagenweiler Hof auf. 
Wir verabschiedeten uns von unseren Gastgebern mit unserem Karawanen-Lied und zogen weiter nach Kaltbrunn zum Müller Hof. 


 

Helmut Müller ist schon seit 33 Jahren demeter Bauer und konnte sich damit seinen Traum erfüllen: Bauer sein heißt, nicht nur Land bewirtschaften, sondern auch Land pflegen. Auf seinem Hof stehen 170 ha der landwirtschaftlichen Nutzung zur Verfügung und auf 100 ha wird Landschaftspflege betrieben. Durch die regelmäßige Mahd der Wiesen können sich seltene Arten, wie der Enzian und der Wiesenkropf etablieren. In seiner Anbauplanung findet nicht nur das ertragreiche Getreide Platz: Auf seinen Feldern gedeihen neben Weizen, Gerste, Hafer und Roggen auch Emmer, Einkorn, und Dinkel.

Mit dem Emmer-Anbau ist es nicht immer leicht: Starke Rostanfälligkeit erschweren die Kultivierung. Aber wegen der ausgezeichneten Backqualität und der Nachfrage seiner Kunden bleibt er dabei. Ihm ist es wichtig, dass die Sorten gut an die Region angepasst und samenfest sind, weshalb er die Arbeit des Keyserlingk-Institutes schätzt. Dessen Weizensorte Kamperan hat sich auf seinem Standort bewährt.

 


Uns wurde gezeigt, wie viele Schritte für die Reinigung des Getreides nötig sind, um eine hohe Produktqualität zu erreichen und Krankheitserreger frühzeitig zu entfernen. Aspirateur und Tischausleser entfernen Spelzen, Steine und Unkrautsamen. Eine weitere Herzensangelegenheit ist ihm, in allen Bereichen geschlossene Stoffkreisläufe zu kreieren. Die Biogasanlage wird durch die täglich anfallenden Futterreste, Mist, Altbrot der Bäcker oder gerne auch die Gartenabfälle des Nachbarn betrieben. Die Trecker werden alle so umgerüstet, dass sie mit Pflanzenöl gefahren werden können, zukünftig sollen dafür hofeigene Sonnenblumen genutzt werden.

 

Autark sein in allen Bereichen, ob Saatgut, Energie, Verarbeitung oder Vermarktung, zukunftsorientiertes Denken motiviert dabei sein Handeln von heute. Für die Entwicklung der bäuerlichen Landwirtschaft wünscht er sich einen besseren Kontakt zwischen Kunde und Bauern. Er beschwert sich über den blinden Konsumenten im Supermarkt, der ohne Wertschätzung für Bauer, Tier und Pflanze Lebensmittel kauft. Zu seinen Verbrauchern hegt Herr Müller langjährige Geschäftsbeziehungen und pflegt ganz besonderen Kundenservice: so bietet er für die Bäcker eine 24 - Stunden Getreide-Tankstelle und mit seiner muslimischen Kundschaft führt er Hofschlachtungen durch.

 

Nach diesem eindrücklichen Vormittag begaben wir uns wieder auf die Piste, nächstes Ziel: Basel. Welche revolutionären Gedankenschübe uns hier einholten, könnt ihr gerne im folgenden Video ansehen! Weil wir bei unserem Aufenthalt in Basel so überzeugend waren, schlossen sich auf unserem Weg nach Frankreich überraschend viele weitere Karawanenmitglieder an (siehe nachfolgendes Video), sodass wir auf eine ausführliche Schilderung des Abends verzichten und nur noch Gute Nacht und auf Bald sagen.

 

Mehr Informationen auf der Saatgut-Karawane Website: seeds.junge-abl.de

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