10.06.2016

Tag 5: Rhône-Tal

Saatgut-Karawane 2016

Ce qui est beau, c´est souvent bon - Was schön ist, ist meistens auch gut

 

Überschwemmte Autobahn, Zwangspause und Essen am Rhein führten dazu, dass wir mitten in der Nacht unsere nächste Station erreichten – einen Gemischtbetrieb mit Milchkühen und Ackerbau im Département Haute-Savoie in Frankreich. Am kommenden Morgen besichtigten wir Hof und Felder und wurden in die Welt der Sémences Paysannes eingeweiht. Das Réseau Semences Paysannes ist ein Netzwerk, welches es sich zum Ziel gesetzt hat, bäuerliche Sorten zu erhalten und zu entwickeln. Nach dem Prinzip des Evolutionsramsches wird eine „mélange“ aus verschiedenen Weizenlinien angebaut, deren verschiedene Eigenschaften sich in Bezug auf Standfestigkeit, Krankheitsresistenz und Trockenresistenz positiv ergänzen. So setzen sich jeweils die Sorten durch, die am besten mit den aktuellen Standortbedingungen umgehen können. Die ausgleichende Wirkung des Mischanbaus bezieht sich auch auf die Backqualitäten, daher konnte auf dem Betrieb eine erfolgreiche Mehlvermarktung aufgebaut werden. Aus dem Mehl lassen sich leckere Brote und Kuchen backen – der Backversuch für Croissants steht noch aus.

 

Die Hofmischung wird aus 100 Sorten zusammengestellt, die außerdem auf einem Feld in Reinsaat erhalten werden. Es werden diejenigen Pflanzen aus den Parzellen aussortiert, welche dem Sortentyp nicht entsprechen oder sehr krank sind. Außerdem ist für den Landwirt das Leuchten einer Pflanze entscheidend - denn was schön ist, ist meistens auch gut.

Besonders ist auch, dass Kreuzungen in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut INRA durchgeführt werden. Das Netzwerk konnte vielversprechende Sorten auswählen, die am Institut gekreuzt wurden. Auf die Nachkommenschaften haben die Bauern uneingeschränkten Zugriff.

 

 

Von Gentechnikgegnern zu Tomatenzüchtern

 

Frankreich ist als Sitz vieler Saatgutfirmen besonders stark mit Hybridsaatgut konfrontiert. Diese Marktdominanz führt ähnlich wie in Deutschland soweit, dass selbst im Bio-Anbau 90% des Gemüses aus Hybridsaatgut stammt. Dagegen regt sich Widerstand, zum Beispiel bei dem Maison de la semence de la Loire, das wir auf einem ihrer Partnerbetriebe treffen durften. Hier sind 400 Menschen gärtnerisch und politisch aktiv.

„Was sind eigentlich gute Lebensmittel? Wie und aus welchem Saatgut wollen wir unser Gemüse produzieren?“ „Wir wollen Biolebensmittel aus samenfesten Sorten!“ Das war die Antwort dieser Gruppe von Gentechnikgegnern und Hobbygärtnern aus der Region Rhône-Alpes. Aus dem ursprünglichen Ansatz, alte Sorten aus der Region wieder zu entdecken und zu vermehren, entstand die Initiative, an 30 verschiedenen Standorten unter professioneller Anleitung zunächst Tomaten zu züchten.

In einem ersten Schritt werden in diesem Jahr Trockenresistenz, Krankheitsresistenz und Ertrag alter Sorten bewertet, um schon im nächsten Jahr Erwerbsgärtnern Alternativen zum Hybridsaatgut empfehlen zu können.

Interessant ist auch, dass der Einzelhandel sich für die Vermarktung alter Sorten stark macht und damit Produzenten unterstützt und Verbraucher sensibilisiert.

Uns ist wieder einmal klar geworden, dass man nur dann sicher sein kann, Sorten auf dem Acker zu haben, die unterstützenswert sind, wenn man selber die Hände im Spiel hat - in der Erde, wie in der Politik.

 

Jäten gegen Schlafplatz

 

Auf dem Freilandversuchsfeld waren die Bohnen in großzügigem Mischanbau mit "Unkraut" kaum noch zu erkennen. Als jätende Meute schufen wir innerhalb kürzester Zeit Abhilfe und verdienten uns damit das Wohlwollen des Bauern und einen schönen Platz für unser Nachtlager. Mit Baden im Bewässerungsteich, französischer Polenta und einer großzügigen regionalen Weinspende für uns Jungbauern am Lagerfeuer genossen wir den Abend und freuten uns, einmal nicht direkt weiterziehen zu müssen.

 

Mehr Informationen auf der Saatgut-Karawane Website: seeds.junge-abl.de

Zum aktuellen Blog auf Junge-Abl: Saatgut-Karawane