10.06.2016

Tag 6: Haute-Savoie

Saatgut-Karawane 2016

Einklang mit der Natur

 

In Mitten von Birnenplantagen, die Jean-Lucs Großvater 1938 pflanzte, wachen wir auf. Die Sonne kitzelt an den Nasen. Nicht jedeR schafft den direkten Weg zum Frühstück. Zu groß ist die Verlockung des rauschenden, kühlen Baches und des warmen Sees. Doch jetzt muss es schnell gehen. Wir teilen uns auf. Damit Du an unserer Karawane teilhaben kannst, machen wir eifrig Fotos und Videos. In den Pausen und beim Ritt von einem Hof zum nächsten lassen wir das Erlebte Revue passieren und schreiben die Texte für Euch. Jetzt zieht das erste Kamel in die Stadt Annecy, um die Daten in den Blog zu stellen. Die andere Hälfte der Karawane erkundet die Berge des Massif central.

 

Viele Besitzer der „Regenwurmlosung“

 

Der Name des Hofs, auf dem sich unsere Wege wieder vereinen, bedeutet Regenwurmlosung. Hier haben sich vor 5 Jahren sieben Bauern niedergelassen. Das Gebäude bekommen sie von einer Stiftung zur Verfügung gestellt. Auch der Flächenbesitz ist hier etwas Besonderes. Die 20 ha des Hofes wurden von etwa 150 Menschen gemeinsam gekauft. Das funktioniert so ähnlich wie bei einer Aktiengesellschaft und heißt „GFA“. Doch der Wert der Anteile ist konstant und es besteht eine Unabhängigkeit von Spekulation und Banksystemen.

 

Autarkie im Saatgutbereich

 

Fred nimmt uns mit auf's Feld. Wir fragen ihn nach seiner Motivation, selber bäuerliche Saatgutarbeit zu betreiben. Wird dort gezüchtet und vermehrt, wo die Pflanzen auch später im Anbau sind, passen sie sich an den Standort an. So gedeihen besonders auf ungünstigen Standorten die selbst gezüchteten Sorten besser. Außerdem möchte die Gruppe so autark wie möglich sein. Zum Beispiel von den großen Saatgutunternehmen. Und sie haben sich gegen den Einsatz von Hybridsaatgut entschieden. Während bei Getreide der Einsatz von bäuerlichem Saatgut und alten, samenfesten Sorten eher (ökonomische) Vorteile bietet, ist der Aufwand beim Gemüse sehr hoch. „Wenn Du mit bäuerlichem Saatgut arbeiten willst, kommst Du um die Jungpflanzenaufzucht kaum herum“, erzählt Fred uns auf französisch. „Darauf ist bei der Umstellung zu achten. Die Jungpflanzenaufzucht benötigt viel Zeit und der Pflanze ist dieser Mehraufwand nicht direkt anzusehen. Das solltest Du deinen Kunden erzählen und erklären. Dann sind sie auch bereit, den höheren Preis für alte Sorten zu zahlen.“ Die Französischkenntnisse bei uns allen sind sehr unterschiedlich. Wir sind froh über Annas fleißiges Übersetzen und jeder hilft mal aus.

 

Töne der Nacht

 

Der Abend ist gekommen. Uns fällt ein Stein vom Herzen, als wir erfahren dass wir auf dem Hof bleiben und übernachten können. Einkornbrot aus dem Holzbackofen (gebaut mit Steinen aus der Erde des Hofes), Reis, Gemüse, Wein, Austausch unter uns und mit den Gastgebern. Massage, Musik, nächtlicher Spaziergang und baden. Ein Froschkonzert...wir lassen den Tag ausklingen und suchen uns Schlafplätze. Werden wir heute Nacht wohl trocken bleiben?

 

Mehr Informationen auf der Saatgut-Karawane Website: seeds.junge-abl.de

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