• JAbL - junge Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft

11.09.2016

SAAT GUT BROT Aktion 2016

So ähnlich wie die AbL für bäuerliche Landwirtschaft steht, setzt sich der Verein "Die Bäcker" für handwerkliches Backwerk ein. Dabei geht das Engagement weit über die Backkunst hinaus. Aktuell organisieren Die Bäcker eine SAAT GUT BROT Aktion, die vom 31. Oktober bis 06. November 2016 stattfindet. Dabei wird betont wie wichtig eine Pflanzenzüchtung ist, die für die nachhaltige und bäuerliche Landwirtschaft Saatgut hervorbringt.

In diesem Zeitraum bieten die teilnehmenden Bäckereien ein Brot an, dass in der Aktionswoche unter dem Namen SAAT GUT BROT verkauft wird. Dies kann ein Brot sein, das es sonst nicht im Sortiment gibt, neu eingeführt werden soll oder bereits unter einer anderen Bezeichnung verkauft wird. Der Verein "Die Bäcker" empfiehlt den teilnehmenden Bäckerein eine Rezeptur mit biologisch gezüchteten Getreidesorten oder Erhaltungssorten/Hofsorten zu verwenden. Bäckerein, die aktuell noch keine biologisch gezüchteten Sorten verarbeiten, bekommen Empfehlungen Brot aus Emmer, Einkorn, Dinkel, Roggensorten wie z.B. Waldstaudenroggen, Tauernroggen oder Weizensorten wie z.B. Purpur-Weizen zu backen. Aber auch Gerste und Hafer nehmen Kunden als „besondere“ Getreidesorten wahr. Weitere Informationen und Kontakt: http://die-baecker.org/

Hintergrund der Aktion 2016

Die Aktion Saat-Gut-Brot dient dazu, die Arbeit der Saatgut-ZüchterInnen zu fördern und finanziell zu unterstützen, die innovative Pflanzensorten für eine nachhaltig-bäuerliche Landwirtschaft entwickeln. Wie bereits bei der Aktion in den Jahren 2013 und 2014 gehen alle Spendenbeiträge direkt an den Saatgutfonds der Zukunftsstiftung Landwirtschaft und kommen der biologischen Getreidezüchtung zu Gute. Die Initiatoren der Aktion möchten darüber hinaus anregen, innerhalb der Wertschöpfungsketten Modelle zu entwickeln, wie alle Beteiligten langfristig zusammen die gemeinnützige Züchtungsarbeit einbeziehen und finanzieren können, die früher auf den Höfen geleistet wurde.

Saatgut ist eines der ältesten Kulturgüter der Menschheit. Über Jahrtausende hinweg wurden Kulturpflanzen von BäuerInnen entwickelt - mit wachsamem Blick lernten sie dabei beständig dazu und sammelten Wissen. Saatgut und Wissen gaben sie weiter, von Generation zu Generation und über Ländergrenzen hinweg. Über einen langen Zeitraum ist so ein unbeschreiblicher Reichtum an lokal angepassten Sorten in unzähligen Variationen entstanden. Erst in den letzten 200 Jahren hat sich aus der traditionellen Landwirtschaft heraus die Züchtung von Saatgut als eigenständiges Gewerbe entwickelt. Diese Spezialisierung birgt Risiken.

Sie wird - ebenso wie in den Handwerksberufen - begleitet durch einen drastischen Verlust an Wissen vieler und steuert auf eine Machtkonzentration sehr weniger zu. „Drei Viertel der Getreide- und Gemüsesorten, die unsere Großeltern noch kannten, sind der industriellen Landwirtschaft zum Opfer gefallen. Die Welternährungsorganisation spricht weltweit vom Sortenschwund von 75 Prozent in den letzten 100 Jahren, in der EU sind es sogar 90 Prozent.“ Zitat aus: Save our Seeds, Resolution zur EU-Saatgutrechtsreform

Wer, wenn nicht wir, trägt die Verantwortung für die Zukunft unserer Kinder und Enkel? Ihnen sind wir es schuldig dazu beizutragen, unsere natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten. Dazu gehört auch, bewusst die Entwicklung und den Anbau von Pflanzen zu fördern, die gesund und widerstandsfähig gegenüber Krankheiten sind. Pflanzen, die nachbau- und entwicklungsfähig sind, sich an unterschiedliche agronomische Anforderungen und klimatische Veränderungen anpassen können. Pflanzen, bei deren Entwicklung vielfältige Aspekte berücksichtigt werden: eine gesunde Ernährung, das Wohlbefinden von Mensch und Tier, der Erhalt der genetischen Vielfalt, der Bodenfruchtbarkeit sowie einer vielfältigen Kulturlandschaft und nicht zuletzt gerechte Verteilungsstrukturen wie auch eine wirtschaftlich effiziente Erzeugung unserer Lebensmittel. „Das Gegenbild dazu bilden heute ein halbes Dutzend standardisierter Weltwirtschaftspflanzen, die von ebenso wenigen Firmen produziert, gehandelt, verarbeitet und den Konsumenten verkauft werden.“ Zitat aus: Zielsetzung und Leitbild der Getreidezüchtung Peter Kunz, siehe: www.getreidezuechtung.ch/zuechtung/zielsetzung-und-leitbilder

Seit Jahrzehnten gehen die biologischen ZüchterInnen bei der Entwicklung von Sorten, die diesen Bedürfnissen und Anforderungen entsprechen, in Vorleistung. Sie erbringen eine unschätzbare Leistung für eine im ursprünglichen Sinne nachhaltige, vorausschauende Wirtschaftsweise und damit für die Gesellschaft. Finanziert wird diese Leistung überwiegend aus Spenden, Förderbeiträgen und zum geringeren Teil aus Lizenzen - nicht aus Mitteln des öffentlich-rechtlichen Gemeinwesens.

Der Irrglaube, die fortgesetzte Industrialisierung der Land- und Nahrungsmittelwirtschaft, der Fokus auf den Weltmarkt und das Exportvermögen großer Unternehmen seien die Lösung aller Probleme, versperrt den Blick auf alle guten Gründe für eine umfassende Förderung nachhaltiger, ressourceneffizienter, regionaler Wertschöpfungsketten. So werden Steuermittel in eine rückwärtsgewandte Technologie, wie aktuell in die Entwicklung von Weizenhybriden, investiert. Diese Pflanzen sind weiterhin auf hohe Stickstoffdüngung und Pestizide angewiesen, obwohl Böden und Gewässer bereits hochgradig belastet sind. Ohne fruchtbare Böden lassen sich die drei wichtigen Ziele der Weltgemeinschaft - den Verlust an Biodiversität und die Klimaerwärmung zu stoppen sowie das Recht aller Menschen auf ausgewogene Nahrung zu verwirklichen - nicht erreichen (vgl. Vorwort Bodenatlas 2015). Zudem spielt hierbei der Effekt nicht nachbaufähiger Pflanzenhybride, dass Bäuerinnen und Bauern jedes Jahr neues Saatgut kaufen müssen, eine nicht unbeträchtliche Rolle.