• JAbL - junge Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft

14.12.2016

Forderungen für eine junge Landwirtschaft

Zukunftsfähige Gestaltung der europäischen Agrarpolitik für Jungbäuerinnen und -bauern

 

Auf der Herbsttagung der jungen Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (jAbL) beschäftigten wir uns intensiv mit der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik (GAP).

Neben einer Einführung in das Thema, zur Struktur und Entstehung der derzeitigen GAP, diskutierten wir auch zwei aktuelle Vorschläge für den nächsten Reformprozess: das AbL-eigene Konzept mit bäuerlich-ökologischen Kriterien, vorgestellt von Gertraud Gafus, und das Kriseninstrument des Kasseler Instituts für ländliche Entwicklung, vorgestellt von Frieder Thomas.

Letzteres soll im derzeit stark liberalisierten, schwankenden Markt Preiskrisen puffern und so bäuerliche Existenzen sichern. Der wichtigste Aspekt des AbL-Vorschlags ist ein ausgeklügeltes Punktesystem, mit dem bei der Verteilung von Prämien aus der ersten Säule der GAP bäuerlich-ökologische Kriterien honoriert werden. Die veränderbaren Kriterien können etwa kleine Schlaggrößen, eine flächengebundene Tierhaltung und mehrgliedrige Fruchtfolgen sein. Bauernhöfen mit relativ wenig Fläche wird ein Vorteil gegenüber größeren Strukturen verschafft.

Die diskutierenden jungen AbLerInnen waren sich darin einig, dass einiges an den beiden Alternativansätzen eine Verbesserung zum Ist-Zustand darstellen würde. Der Vorschlag des Kasseler Instituts wurde als ein Mittel verstanden, das im Krisenfall die Situation für Bauern und Bäuerinnen entschärfen kann und etwas Handlungsspielraum zurückgeben könnte. Allerdings ist hierin keine Steuerung bezüglich der Art der Landwirtschaft enthalten. Dahingegen bietet das Konzept der AbL einige Möglichkeiten, gezielt und entsprechend der jeweiligen aktuellen Prioritäten zu fördern. Eine Kombination der Qualitäten beider Werkzeuge bliebe zu überlegen.

 jAbL-Herbsttagung 2016

 

Abhängigkeiten hinterfragen

Weiter wurde die Frage diskutiert, inwieweit eine bäuerliche Unabhängigkeit in einem staatlichen Fördersystem überhaupt gewährleistet sein kann. Im Prinzip ist es jeder Bäuerin und jedem Bauern freigestellt, wie der Betrieb gestaltet und entwickelt wird. Eingeschränkt wird diese Freiheit durch Ge- und Verbote sowie Sachzwänge, allen voran ökonomischer Natur.

Abhilfe könnte eine Förderpolitik schaffen, welche den Druck zur Kostenminimierung senkt, indem die Verteilung der Fördergelder nicht mehr nach dem Gießkannenprinzip erfolgt, sondern gezielt dort unterstützt, wo im aktuellen System bäuerlich gewirtschaftet wird. Dass in jedem Falle eine Abhängigkeit von politischen Entscheidungsträgern vorhanden ist, darf dabei nicht übersehen werden. Politische Kontinuität ist selten gegeben. Daher ist es notwendig, parallel zu den Überlegungen bezüglich staatlicher Unterstützung, das Bewusstsein in der Gesellschaft für eine bäuerliche und zukunftsfähige Landwirtschaft zu entwickeln und zu verbreiten. Dies kann ein Ansatz sein, den Lebensmitteln ihren eigentlichen Wert wiederzugeben.

Im Moment sind zweierlei Punkte notwendig: Bewusstsein in der Gesellschaft für unsere Arbeit und Bedürfnisse als Bäuerinnen und Bauern schaffen und eine staatliche Förderpolitik vorantreiben, die vor allem diejenigen unterstützt, die mit ihrer Arbeit gesellschaftliche Leistungen erbringen und im kapitalistischen Wirtschaftssystem durch Diversität und Kleinstrukturiertheit besonders benachteiligt sind. Diesbezüglich sprachen sich die anwesenden jungen Menschen für das AbL-Konzept aus.

 

Junge Bäuerlichkeit fördern

Weitergehend formulierte die junge AbL im Rahmen der Tagung folgende Forderungen für eine zukunftsfähige und junge Landwirtschaft, die sich, wenn wir bei Begrifflichkeiten und Struktur der aktuellen Förderpolitik bleiben, auf die zweite Säule beziehen und das AbL Konzept ergänzen können:

 

  • Beratung und Prozessbegleitung für Hofübergabeprozesse finanziell unterstützen,

  • Niederlassungsprämie als Startkapital an Bäuerinnen und Bauern auszahlen, die sich dafür entscheiden, einen Betrieb zu gründen oder weiterzuführen (dies ist in anderen EU-Ländern, zum Beispiel in Frankreich schon umgesetzt und liegt im Rahmen des Handlungsspielraums Deutschlands, zum Beispiel zur GAP-Halbzeitreform 2017),

  • Investitionsförderung für gebrauchte Maschinen sowie

  • Förderung von jungen landwirtschaftlichen VerarbeiterInnen im ländlichen Raum.

 

Unser Vorhaben ist es, an diesen ersten formulierten Forderungen weiterzuarbeiten und uns damit aktiv am gesellschaftlichen und politischen Diskurs zu beteiligen. Es ist uns ein Anliegen, die politischen Rahmenbedingungen dahingehend mitzugestalten, dass wieder mehr junge Menschen den Schritt in die praktische Landwirtschaft wagen und mit dem Erhalt oder dem Schaffen von bäuerlichen Betrieben ihre Vorstellung von Landwirtschaft leben können.

 

Wir danken allen Teilnehmenden und Vortragenden für ihre rege Beteiligung. An dieser Stelle möchten wir uns außerdem noch einmal ausdrücklich für die finanzielle Unterstützung der Rosa-Luxemburg-Stiftung, des FaNaL e.V., der Zukunfststiftung Landwirtschaft, sowie der Ländlichen Erwachsenenbildung Niedersachsen bedanken.

 

Erschienen in der Bauernstimme 01/2017