• JAbL - junge Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft

31.07.2017

2 Tonnen politisches Schwergewicht

Auf der Getreidewaage des Hofs von Christian Warnke in Cobbel brachten es die Teilnehmer/innen der diesjährigen jAbL Sommertagung auf stolze 2 Tonnen. Viel mehr aber als die eigentliche Körpermasse fielen das politische, bäuerliche Engagement ins Gewicht.

jAbL/Sommertagungsteilnehmende stehen auf der Getreidewaage


Das Thema Agrarökologie als bäuerliches Wirtschaftsverständnis sollte aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet werden, mit dem Schwerpunkt auf tatsächlich praktische Umsetzungsideen. Dabei war eine relevante Frage der Tagung, was in der Landwirtschaft privat sein sollte und was als Allgemeingut gilt. Dieses Thema ist nicht nur wichtig für den einzelnen Landwirt, sondern spielt eine gesamtgesellschaftliche, wirtschaftliche und rechtliche Rolle.

Ideensammlung zu Agraroekologie


Den Einstieg gab Dr. Johannes Kotschi mit seinem Vortrag zur Saatgutvermarktung. Er ist Mitbegründer der Dienstleisterfirma „Open Source Seeds“, welche sich dem Problem angenommen hat, dass durch die aktuelle Saatgutpolitik vor allem Großkonzerne gefördert werden und weltweit Bauern in eine Abhängigkeit geraten.

Die Idee dabei ist die Open-Source-Patentierung, mit der das gekaufte Saatgut selbst vermehrt, gezüchtet und weiterverkauft werden - aber durch die Patentierung nicht fremd patentiert werden kann. Auch neue Geschäftspartner/innen bekommen die gleichen Rechte und Pflichten wie der Erstkäufer. Diese Art der offenen Patentierung wurde ebenfalls in einem Projekt zu Geflügelzucht und einem anderen zu Agrartechnik angewendet.

Workshop


Zu einem anderen Feld der Agrarökologie stellten drei Studenten der HNE Eberswalde die Methode des Agroforsts vor. Dabei werden Bäume aktiv in die landwirtschaftliche Nutzung mit einbezogen. Die heute noch bekanntesten Beispiele sind Knicks oder beweidete Streuobstwiesen. Diese sind allerdings selten bzw. eher schwierig mit moderner Agrartechnik vereinbar.
An dieser Stelle tritt die Methode des Agroforsts auf den Plan, welche zwar die Vorteile von Gehölzen, wie verminderten Wasser- und Winderosion, nutzen möchte, aber auch an moderne Produktionstechniken in der Landwirtschaft anschließt. Allerdings stellte sich in der Diskussion heraus, dass je nach Standort und Baumartenwahl ein anderes Mikroklima entsteht, welches nicht in jedem Fall förderlich für die darunter stehende Frucht bzw. Weideland ist.

alle sitzen zusammen


Ein weiterer, intensiv debattierter Schwerpunkt waren Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft. Die Arbeitsgruppe hatte das provokante Zitat „ein/e echte/r Bauer/in arbeitet mindestens 14 Stunden am Tag“ eingeworfen. Es stellte sich in der folgenden Diskussion heraus, dass arbeitsrechtliche Themen oft hinter dem Selbstverständnis von Landwirten verschwinden und somit Grundlagen des Arbeitsrechts verkannt werden. Als Gründe für diesen Umstand wurde einerseits die Beziehung von Arbeit und Privatem genannt, aber auch schlichtweg die finanzielle Situation vieler bäuerlicher Höfe, welche eher Investitionen in neues Gerät verwenden müssen, als in mehr gut bezahlte Arbeitskräfte.

Die zentrale Frage dabei ist, ob das Durchsetzen besserer Entlohnung den Strukturwandel auf dem Land in Richtung Mechanisierung und Industrialisierung beschleunigt, da Arbeitskräfte zu teuer werden, oder ob durch Umstrukturierung wieder mehr Anreize für eine landwirtschaftliche Ausbildung geschaffen werden.

Auf dem Acker


Im Anschluss an die Workshops erfolgte die Hofbesichtigung des Gastgeberhofes. Es wurden erdgeschichtlich und politisch relevante Veränderungen in der Landschaft erörtert um immer wieder auf landwirtschaftliche Prozesse direkt auf dem Acker zurückzukommen.

Vielen Dank an dieser Stelle einmal an die Gemüse-, Käse-, Brot- und Wurst-Spenden, die dieses Wochenende mit ermöglicht haben.

Marvin Dittmer, Doro Sterz

 

Erschienen in der Unabhängigen Bauernstimme

Gruppenfoto