13.08.2016

Junges Gemüse trifft alte Hasen auf der jAbL-Sommertagung

Am 23. Juni 2016 wurde zur jährlichen Sommertagung der jungen AbL auf den Biohof Jacobi in Borgentreich geladen. Als Auftakt der Versammlungstage diente eine Zusammenkunft von Jung und Alt. Josef Jacobi, Georg Janßen und Heiner Range vertraten die „alten Hasen“, die alteingesessene AbL-Mitglieder und Begründer. Das „junge Gemüse“ bestand aus vielen jungen Menschen aus der Umgebung und der jungen AbL. Man setzte sich am frühen Abend in den Garten der Familie Jacobi und es entstand eine Runde von zwanzig bis dreißig Menschen, die sich, teils auf Bänken oder im Gras sitzend, mit den aktuellen Problemen der Landwirtschaft befassten.

 

Junges Gemüse auf dem Hof des alten Hasen Josef Jacobi

Das junge Gemüse auf dem Hof des alten Hasen Josef Jacobi

 

Einen Einstieg fand die Gesprächsrunde über die Rolle der AbL und ihren Mitgliedern. Als Vereinigung für die Vertretung der bäuerlichen, konventionellen und ökologischen Betriebe, wird die AbL vor allem durch die Arbeit von Freiwilligen getragen. Wobei jeder der Aktiven entscheiden kann, wie viel Zeit man investieren und wann man sich der Aufgabe auch wieder entziehen möchte. Dies ist äußerst wichtig, meinte Georg Janßen, da viele der Mitglieder einen eigenen Hof besitzen, und nur phasenweise helfen können. Daher ist es notwendig, dass viele Menschen die AbL unterstützen und gerade junge Menschen mit einsteigen, sodass kontinuierlich etwas erreicht werden kann.

 

Jedoch sieht sich gerade die junge Generation machtlos dem gegenüber, was zurzeit in der Landwirtschaft geschieht. Kleine Betriebe können dem Preisdruck nicht mehr standhalten und müssen schließen. Bauern und Bäuerinnen, die ihr ganzes Leben in ihren Betrieb gesteckt haben, sehen keinen Ausweg mehr und immer wieder kommt es zu Verzweiflungstaten bis hin zum Selbstmord. Viele der Anwesenden, ob jung oder alt, haben aus ihrem Umfeld von diesen Schicksalen gehört. Es ist erschreckend, dass diese Fälle keine Ausnahmen sind, sondern zur Regel werden. Denn gerade in den letzten Jahren hat sich die Situation immer weiter verschärft, besonders in der Milch- und Schweineproduktion. Doch wie geht man mit Wut und Trauer und dem Gefühl, nichts an der Situation verändern zu können, um? Gerade wenn man jung ist und selbst diesen Berufsweg für sich entdeckt hat, kann der Eindruck entstehen, dass dort eigentlich keine Zukunft zu finden ist.

 

Wut ist wichtig um aktiv zu werden, meint Josef Jacobi. Dass durch Öffentlichkeitsarbeit und durch die AbL schon einiges auf die Beine gestellt werden konnte, was gerade in seiner Region um Körbecke zu sehen ist, davon weiß er viel zu erzählen. Er hat 1979 mit der AbL in Gorleben und etwas später gegen das AKW Würgassen (ganz in der Nähe von Körbecke) demonstriert. Mit Erfolg, denn 1994 wurde das AKW heruntergefahren. Dieser Erfolg macht ihm bis heute Mut und gibt auch am besagten Abend den jungen Menschen Kraft. Um heraus zu finden, ob man etwas erreichen kann, muss man weitermachen. Dass man etwas erreichen kann, davon haben die „alten Hasen“ uns an diesem Abend überzeugt, was zeigt, wie wichtig der Austausch zwischen den Generationen ist.

 

Generell ist Kommunikation der Schlüssel für den Widerstand. Bauern gelten als Einzelkämpfer, vielleicht, weil sie von der Wirtschaft so erzogen wurden. Doch um ein nachhaltiges System entwickeln zu können, muss man kooperieren. So sollten kleinbäuerliche Betriebe, ob konventionell oder ökologisch wirtschaftend, zusammenarbeiten und die AbL als Knotenpunkt fungieren, um sie zu repräsentieren. Dass die AbL das ungünstige Image besitzt, nur die ökologischen Betriebe zu unterstützen, steht dem Ganzen im Weg und ist nicht wahr. Jung und Alt sind sich einig, dass dieses Vorurteil in der Öffentlichkeit immer wieder aufgegriffen und geklärt werden muss.

 

Passendes Bannert: Und was unterstützt DU?

Passendes Banner zur Diskussion: Und was unterstützt DU?

 

Ebenso sind sich alle Beteiligten darüber einig, dass die Wertschätzung der Konsumenten gegenüber landwirtschaftlichen Produkten verbessert werden muss. Dadurch lassen sich Preise schaffen, die stabil genug sind, um den angehenden Bauern und Bäuerinnen eine berufliche Perspektive zu ermöglichen. Dieser Weg würde gleichzeitig der Entvölkerung und Alterung des ländlichen Raumes entgegenwirken. In den europäischen Ländern ist die Zerstörung der kleinbäuerlichen Strukturen weiter vorangeschritten als in vielen Ländern der ganzen Welt. Unsere Aufgabe ist es auch, die kleinbäuerlichen Strukturen weltweit zu unterstützen und zu versuchen, diese zu erhalten. Denn die Souveränität durch Landbewirtschaftung sollte der breiten Bevölkerung gehören, was wiederum mehr Stabilität und ausgeglichenere Machtverhältnisse für die einzelnen Länder bedeuten kann.

 

Von diesen möglichen Zukunftsvisionen erfreut, nutzte Georg Janßen die Gelegenheit, um auf die „Wir haben es satt!“- Demonstration im Januar 2017 aufmerksam zu machen. Hier kann die junge AbL nachdrücklich zeigen, dass es junge Menschen gibt, die in der Landwirtschaft tätig werden wollen. Und dass sich auf diesem Demonstrationszug alle Beteiligten der Runde wiedersehen werden, steht außer Frage.

 

Von Daniel Helle & Jessica Haby

13.08.2016

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