05.04.2016

Junges Gemüse trifft alte Hasen

Hofkonzepte und Nachfolge

Das junge Gemüse hat Sabine Zeller und Helmut Sobottka auf dem Marienhof Esperde besucht. Zentrales Gesprächsthema war die Gestaltung der Hofübergabe. Wir – das sind Manuel, Barbara und Sarah – studieren alle in unterschiedlichen Stadien Ökolandbau in Witzenhausen. Sarah und Barbara kommen nicht vom Hof, wobei letztere eine landwirtschafliche Ausbildung gemacht hat. Manuel ist ökologischer Rosenbauer und hat vor, seinen elterlichen Betrieb zu übernehmen.

 

Der Marienhof ist ein Familienbetrieb, der aus zwei eigenständigen Betrieben besteht. Helmut macht die Landwirtschaft und Sabine die Gärtnerei sowie die Vermarktung auf dem Wochenmarkt. Sabine und Helmut haben zusammen zwei Kinder.

Nach einer Hofführung hocken wir drei auf dem Sofa im Gärtnereibüro. Dort fiel uns ein Zettel mit der Überschrift „Vorschläge für Anschaffungen + Investitionen“ auf. Manuel hätte auch gerne so einen Zettel auf seinem Betrieb, denn auch kleine Investitionsvorschläge werden von seinem Vater mit Sätzen wie „und die Maschinenhalle willst du ja auch noch bauen…“ abgelehnt und wieder vergessen. Und damit kommen wir schon zum Thema Hofübergabe, welches auf vielfältigste Art in unserem Gespräch angesprochen wurde.

Generationenwechsel

Helmut ist auf dem Marienhof aufgewachsen und wusste nach der Schulzeit nicht ob er in die Landwirtschaft möchte. Die Eltern haben versucht, ihn zu motivieren, aber auch Freiräume gelassen. Erstmal hat Helmut Landschaftsplanung studiert. Vor allem durch das in Sichtweite vom Hof gebaute Atomkraftwerk Grohnde wurde er stark politisiert. In seiner Diplomarbeit hat er den Hof planerisch auf den Ökolandbau umgestellt. Als Helmut sich entschieden hatte, in den Hof einzusteigen, funktionierte die Zusammenarbeit mit seinem Vater zuerst nicht. Für ein Jahr ging er vom Hof. „Ich würde es ja machen, aber nicht zusammen unter einem Dach“ war seine Position gegenüber seinen Eltern, die letztendlich 1988 in eine Kleinstadt zogen. Die ersten zwei Jahre unterstütze ihn sein Vater, obwohl dieser anfangs Vorbehalte hatte, ob der Biolandbau auch wirtschaftlich sei. Durch den traditionellen Landbau wusste er aber, dass Biolandbau machbar ist. Eine ähnliche Aussage kennt auch Manuel von seinem Opa: „Früher hatten wir ja auch nichts zum Spritzen“. Die Distanz zu seinen Eltern empfand Helmut als positiv. Auch sein Vater war stolz, dass er es geschafft hat, loszulassen und dass der Betrieb gut läuft. Für seine Mutter war die Trennung von dem Hof schwerer, da es ihr elterlicher Hof ist. Nach dem Tod ihres Mannes lebte sie dann auch wieder auf dem Hof.

GbR

Drei Jahre nach der Hofübernahme kam ein Bekannter dazu, der eine Mutterkuhhaltung aufbaute. Später kam eine Familie, die einen Hofladen ergänzte. Im Jahr 1996 bildeten sie eine GbR. Als Motivation dafür nannte Helmut, dass er nicht so isoliert arbeiten, sich die Verantwortung teilen und auch leichter Urlaub machen wollte. Nach 12 Jahren GbR haben sie gemerkt, dass es nicht mehr passt. Trotz Supervisionen kamen sie mit ihren Zielen nicht zusammen und haben sich daraufhin getrennt und die Gewinne aufgeteilt. „Zum Glück“, meinte Helmut, „hat die GbR keine Schulden gehabt, sonst wäre die Trennung viel schwieriger geworden.“ Trotzdem haben beide Seiten die Auflösung als schmerzhaft empfunden. Sabine, die nach ihrer Ausbildung zur Gärtnerin eine Stelle suchte, kam über eine Anzeige in der Bauernstimme mit einer anderen Frau in Kontakt. Zusammen bauten sie dann eine eigenständige GbR auf dem Marienhof mit Gärtnerei auf. Es bestand aber von Anfang an eine enge Kooperation mit der landwirtschaftlichen GbR, so wurden deren Produkte vermarktet.

Ideale und Ziele

Helmuts Idealvorstellung wäre, den Betrieb in einen großen Park zu verwandeln. Trotz der recht intensiven Produktion ist Helmut aber stolz über die positiven Einflüsse auf die Natur. Sarah meint, ihr Ideal eines vielfältigen Betriebs, der gemeinschaftlich bewirtschaftet wird, viel Naturschutz betreibt und damit auch wirtschaftlich ist,  sei nicht erreichbar. Sabine entgegnet, es ist gut so hohe Ideale zu haben, weniger wird es von selbst. Ihr  Ziel ist das gleichberechtigte Zusammenarbeiten - auch wenn ein Angestelltenverhältnis besteht, werden Entscheidungen gemeinsam gefällt. Manuel möchte mit seiner Wirtschaftsweise durch Weitergabe von Informationen eine Wirkung über den Betrieb hinaus erzielen. Die persönliche Freizeit soll aber nicht vernachlässigt werden.

Hofleben

Zu Mittag gegessen wird gemeinsam, das Kochen übernehmen alle abwechselnd. Auch die Azubis? Ja, das ist Einstellungsvoraussetzung… So übernimmt jeder einen gewissen Anteil an der Hausarbeit und niemand hat die Hausfrauenrolle. Im Sommer wird drei Tage in der Woche eine Köchin beschäftigt. Die Arbeitsspitzen in Landwirtschaft und Gärtnerei sind verschieden. Der gemeinsame Urlaub ist dadurch schwieriger, man fährt auch mal getrennt.

Die nächste Generation

Helmut möchte sich in den nächsten Jahren aus dem Betrieb zurückziehen, Sabine ist noch jünger und wird die Gärtnerei noch einige Jahre weiter betreiben. Die Kinder sind mit 13 und 15 Jahren noch nicht so alt, dass absehbar ist, ob sie in den Betrieb einsteigen. Für den Ackerbau besteht die Herausforderung, eine Nachfolge für die nächsten 12 bis 15 Jahre zu finden. Falls die Kinder Interesse haben, möchte Helmut ihnen die Möglichkeit offen halten, den Betrieb dann zu übernehmen. Helmut möchte den  Betrieb nicht komplett umgekrempelt haben, Sabine merkt an: „Wie dein Vater damals…“  Gibt es überhaupt junge Menschen, die sich bei diesen Rahmenbedingungen einen Einstieg in den Betrieb vorstellen können? Besonders interessant war die Sorge des jungen Gemüses, keinen Betrieb zu finden. Helmut und Sabine hatten hingegen das Gefühl, es gäbe sehr viele Betriebe ohne geklärte Nachfolge. Sie haben sich auf jeden Fall schon einmal auf den Weg gemacht, um potentielle Nachfolger zu treffen.

Danke an Sabine und Helmut für das Teilen ihrer Erfahrungen!

 

von Sarah Ziegenhorn, Barbara Kretz und Manuel Ruf